Der Fuß von meinem Baby zittert

Es fing ganz harmlos an. Mein Baby entwickelte sich ganz normal, aber als es wenige Wochen alt war, fiel mir beim Wickeln ein Zittern der Füße auf. Ich kannte als Ärztin dieses Zittern von Erwachsenen als Zeichen einer Spastik - man nennt das Klonus.

Da ich aber auch wusste, dass Babys Primitivreflexe haben wie beispielsweise den Babinski-Reflex, machte ich mir zunächst keine weiteren Sorgen. Das Zittern trat jedoch häufig bei Berührung der Füße auf. Und dann kam auch noch dazu, dass mein Baby den Kopf immer zur rechten Seite drehte, die Bauchlage ablehnte und den Kopf nicht heben konnte, obwohl es das eigentlich vom Alter her können müsste. Die U4 stand kurz bevor und ich blätterte nochmals im gelben Untersuchungsheft - dort fand ich als Auffälligkeiten beim Baby „anhaltende Kloni“. Ich machte mir auf einmal Sorgen, überlegte, ob mein Baby eventuell doch unter der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen hatte und irgendwelche Schäden am Gehirn haben könnte. Dann machte ich etwas, was man eigentlich nie machen sollte - ich fing an zu googeln. Als Ergebnis fand ich im Internet „Ein Fußklonus ist ein sicheres Zeichen für eine spastische Zerebralparese“. Ich fing an zu weinen, glaubte, mein Baby sei behindert, konnte einen Fußklonus ganz eindeutig bei meinem Baby auslösen. Ich teilte meinem Mann meine Sorgen mit, machte den Rest meiner Familie verrückt, wurde panisch. Alle waren auf einmal besorgt. Ich rief die Kinderärztin an, in der Hoffnung die U4 vorziehen zu können, was leider nicht ging. Dann teilte ich ihr am Telefon meine Sorgen mit und natürlich konnte sie mir nicht das Gegenteil beweisen ohne mein Baby untersucht zu haben. Ich musste also auf den Termin 4 lange Tage warten. Diese Tage waren furchtbar für mich - wann immer ich mein Baby ansah, traten mir die Tränen in die Augen. Ich konnte mich nicht mehr freuen, beobachtete mein Baby ganz genau und wenn das Zittern wieder zufällig auftrat, erschrak ich.

Mit Baby beim Kinderarzt

Dann kam der Tag der Untersuchung. Ich war total aufgeregt. Zum Glück hatte sich mein Mann frei genommen, um mich und mein Baby zum Kinderarzt zu begleiten. Und was war: Das Zittern der Füße trat deutlich auf, vor allem beim Hinstellen des Babys mit dem Versuch es schreiten zu lassen. Und dann sagte die Kinderärztin, dass das vollkommen harmlos sei. Auch dass mein Baby den Kopf in Bauchlage nicht heben konnte und beim Hochziehtest den Kopf kläglich nach hinten fallen ließ, war nicht weiter schlimm. Und auch die Asymmetrie mit Bevorzugung der rechten Seite hatte sich gebessert. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich konnte endlich wieder glücklich und unbeschwert sein. Gleichzeitig schämte ich mich dafür meinen Mann und meine Familie so in meine Sorgen mit hineingezogen zu haben. Ich wollte eigentlich immer eine coole, entspannte Mutter sein und jetzt steigerte ich mich in Ängste hinein, die ich vorher nicht gekannt hatte. Als entlastend erlebte ich Kommentare wie „Und wenn Dein Baby was hat, dann bekommt es halt Physiotherapie und wird das irgendwann aufholen und lernen“ oder „Dein Baby entwickelt sich doch aber ganz normal“. Ich lernte wieder mehr Vertrauen zu haben und hörte auf mich in Kleinigkeiten hineinzusteigern. Vor allem suchte ich nicht mehr nach Symptomen im Internet – denn da ist gewiss, dass das Baby mit Sicherheit eine schlimme Erkrankung hat. Diesen Rat kann ich nur allen Müttern geben – geht mit Euren Ängsten lieber zur Kinderärztin und sucht nicht in irgendwelchen Foren und Ratgeberartikeln nach Krankheitssymptomen. Dort findet sich immer eine Mutter oder eine andere Person, die einem schnell Angst machen kann, indem sie einfach behauptet, dass das was ganz schlimmes ist.